Beobachtungsprotokoll · Emotionskarten-Übung
Autismusspezifische Verhaltensbeobachtung · Vertraulich
PERSONAngaben zur beobachteten Person
KARTENGewählte Emotionskarten
Hinweis für die BeobachterinDie Person wählt drei Karten, die für sie persönlich bedeutsame Gefühle darstellen. Notieren Sie hier, welche Karten gewählt wurden – und auch, wie die Wahl verlief: Hat die Person lange gezögert? Wählte sie sehr schnell? Kommentierte sie die Karten beim Heraussuchen?
Beobachtungen beim Aussuchen der Karten
BEOBACHTUNG10 Beobachtungsfragen
FRAGE 01 · Skala
Wie gut gelingt es der Person, die eigenen Gefühle in Worte zu fassen?
Worum es geht (Alexithymie)Viele autistische Menschen haben Schwierigkeiten, das eigene emotionale Erleben zu benennen – nicht weil sie keine Gefühle haben, sondern weil der Zugang dazu anders organisiert ist. Beobachten Sie: Bleibt die Person vage („war halt so ein Gefühl“)? Beschreibt sie eher körperliche Zustände statt Emotionen („dann hatte ich Druck in der Brust“)? Verwendet sie ungewöhnliche oder sehr abstrakte Formulierungen? Oder gelingt die Beschreibung klar und differenziert?
Beispiele für Schwierigkeiten: „Ich weiß nicht genau, was ich damit meine.“ / „Das ist schwer zu erklären.“ / Beschreibung einer Situation statt des Gefühls.
Was genau wurde beobachtet?
FRAGE 02 · Offen
Wie begründet die Person ihre Kartenwahl? Was sagt sie über das gewählte Gefühl?
Worum es geht (Begründungsstrategien)Beobachten Sie, ob die Person eine persönliche, erlebnisorientierte Erklärung gibt – oder ob sie eher faktisch, allgemein oder „lehrbuchhaft“ antwortet. Autistische Menschen neigen manchmal dazu, Fragen intellektuell zu beantworten („Freude ist ein positives Gefühl, das entsteht, wenn…“) statt persönlich-situativ („Ich habe Freude, wenn meine Katze auf mich wartet“). Ebenso interessant: Werden Spezialinteressen oder sehr konkrete Situationen genannt?
Achten Sie auf: sehr genaue Detailbeschreibungen, wiederkehrende Themen, unerwartete Assoziationen, abstrakte vs. konkrete Bezüge.
Antworten und Beobachtungen notieren
FRAGE 03 · Skala
Richtet die Person ihre Erklärung aktiv an die anderen anwesenden Personen?
Worum es geht (Adressierung & soziale Ausrichtung)Die Aufgabe lautet explizit: „Bitte erklären Sie den anderen …“. Beobachten Sie, ob die Person diese Ausrichtung umsetzt. Schaut sie die anderen an? Spricht sie „zu“ den anderen oder eher ins Leere? Sucht sie Blickkontakt, um zu prüfen, ob man ihr zuhört? Oder wirkt die Erklärung wie ein Selbstgespräch? Diese Beobachtung gibt Hinweise auf die Fähigkeit zur sozialen Ausrichtung (soziale Reziproziät).
0 = spricht klar zur Gruppe, sucht Blickkontakt / 3 = Blick in den Tisch, spricht vor sich hin, keine Ausrichtung an Zuhörende.
Was genau wurde beobachtet?
FRAGE 04 · Skala
Wie passend ist der Gesichtsausdruck zum beschriebenen Gefühl?
Worum es geht (Kongruenz Mimik – Inhalt)Bei autistischen Menschen kann die Mimik reduziert, „maskiert“ oder nicht zum Gesprächsinhalt passend sein – nicht weil das Gefühl nicht vorhanden ist, sondern weil die automatische mimische Spiegelung anders reguliert wird. Beobachten Sie: Lächelt die Person, wenn sie über etwas Schönes spricht? Zeigt sie Betroffenheit beim Erzählen einer schwierigen Situation? Oder bleibt das Gesicht neutral, obwohl der Inhalt emotional ist?
Wichtig: Kein Werturteil! Reduzierte Mimik ist kein Zeichen fehlender Emotionen – es geht um die Beobachtung des äußerlich sichtbaren Ausdrucks.
Was genau wurde beobachtet?
FRAGE 05 · Offen
Beschreiben Sie den Augenkontakt der Person während des Gesprächs.
Worum es geht (Augenkontakt)Augenkontakt ist ein komplexes soziales Signal. Autistische Menschen können Augenkontakt aktiv vermeiden (weil er unangenehm oder ablenkend wirkt), ihn intensiv/starr halten oder ihn inkonsistent einsetzen. Beobachten Sie nicht nur ob Blickkontakt stattfindet, sondern auch wie er eingesetzt wird: Schaut die Person weg, wenn sie spricht – und hin, wenn sie zuhört (typisch für manche autistische Kommunikationsmuster)? Klagt die Person Unwohlsein, wenn direkter Blick entsteht?
Notieren Sie möglichst konkret: „Blickt zur Seite beim Erzählen“, „sehr intensiver Blick ohne Unterbrechung“, „Augen auf Karten gerichtet während gesamter Erklärung“ …
Beobachtungen notieren
FRAGE 06 · Skala
Wie gut gelingt es der Person, auf die Beiträge der anderen einzugehen?
Worum es geht (Soziale Reziproziät)Wenn mehrere Personen anwesend sind und ebenfalls Karten vorstellen, beobachten Sie, wie die Person auf diese Beiträge reagiert. Zeigt sie Interesse? Kommentiert sie, was andere gesagt haben? Oder wartet sie passiv auf ihren eigenen „Slot“ und zeigt kaum Reaktion auf das Gesagte der anderen? Diese Beobachtung ist nur aussagekräftig, wenn andere Personen anwesend sind.
Wenn allein: „n/a“. / 0 = nickt, kommentiert, zeigt Interesse / 3 = kein sichtbares Eingehen auf andere, wartet nur auf eigene Reihe.
Was genau wurde beobachtet?
FRAGE 07 · Skala + Offen
Zeigt die Person stereotype Bewegungen oder selbststimulierende Verhaltensweisen (Stimming)?
Worum es geht (Stimming / Selbstregulation)Stimming bezeichnet sich wiederholende Bewegungen oder Laute, die der Selbstregulation dienen – z.B. bei Anspannung, Überreizung oder Freude. Dies ist ein normales autistisches Verhalten, kein „Störverhalten“. Beobachten Sie: Schaukeln, Wippen, Finger bewegen/spreizen, Haare drehen, Summen, Wiederholung von Wörtern/Sätzen, Klopfen auf den Tisch, Spielen mit den Karten. Wichtig: Notieren Sie auch, in welchen Momenten es auftritt (z.B. vor dem Sprechen, bei Fragen).
0 = kein sichtbares Stimming / 3 = deutliches, häufiges Stimming über die gesamte Situation.
Art und Kontext beschreiben
FRAGE 08 · Offen
Wie hat die Person auf die Instruktion reagiert? Hat sie die Aufgabe verstanden?
Worum es geht (Aufgabenverständnis & Umgang mit Unklarheiten)Beobachten Sie, wie die Person mit der Erklärung der Übung umgeht. Hat sie die Aufgabe direkt verstanden, oder brauchte es Wiederholungen / Nachfragen? Hat sie gezögert, bevor sie begann? Hat sie um Präzisierung gebeten („Muss ich das laut sagen?“ / „Wieviele Sätze soll ich sagen?“)? Oder hat sie eine eigene Interpretation der Aufgabe entwickelt und diese durchgehalten? Einige autistische Menschen reagieren auf Unklarheit mit Erstarren oder Abbruch, andere fragen sehr detailliert nach.
Notieren Sie auch: Wurde die Aufgabe in einzelnen Teilen umgesetzt oder als Ganzes? Gab es Schwierigkeiten bei Übergängen (von Karte zu Karte)?
Beobachtungen notieren
FRAGE 09 · Skala
Wie stark wirkt die Person durch die Situation belastet oder angespannt?
Worum es geht (Stressreaktion & Regulierung)Soziale Situationen, in denen man über eigene Gefühle sprechen soll – noch dazu vor anderen – können für autistische Menschen sehr anspruchsvoll sein. Beobachten Sie Zeichen von Anspannung: Vermeidung, abruptes Abbrechen von Sätzen, Stottern oder Lachen in unpassenden Momenten, Erröten, Unruhe, Vermeidung der Situation, Dissoziation (leerer Blick, „weg sein“). Auch das Gegenteil ist möglich: die Person wirkt auffällig flach oder gleichgültig – was ebenfalls auf Regulation hindeuten kann.
0 = wirkt entspannt und sicher / 3 = deutliche Zeichen von Stress oder Überforderung.
Konkrete Zeichen beschreiben
FRAGE 10 · Offen
Was fiel Ihnen insgesamt auf – was war besonders, überraschend oder bemerkenswert?
Worum es geht (Gesamteindruck & Stärken)Diese freie Frage dient dazu, alles festzuhalten, was sich nicht in die anderen Kategorien einordnen ließ. Denken Sie dabei auch an Stärken und Ressourcen: War die Person sehr reflektiert? Hatte sie einen ungewöhnlich differenzierten Zugang zu einem Gefühl? Zeigte sie Humor, Kreativität, tiefes Wissen über ein bestimmtes Thema? Stärken sind für den weiteren Förderprozess genauso wichtig wie Schwierigkeiten.
Einschließen: Besondere Formulierungen, Momente die aufgefallen sind, Stärken, unerwartetes Verhalten, eigene Eindrücke der Beobachterin.
Freie Beobachtungen & Gesamteindruck
AUSWERTUNGZusammenfassung
Skalenwerte gesamt
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Bitte Skalafragen einstufen
