Vorbereitungsbogen für das psychotherapeutische Gutachten
Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,
bitte füllen Sie diesen Bogen gewissenhaft aus. Er dient als Grundlage für unser Gutachtengespräch zur geplanten Adipositas-Operation.
1. Persönliche Angaben
2. Gewichtshistorie & Diäten
(z.B. Ernährungsberatung, Kur, Reha, Medikamente, Diät-Programme wie Weight Watchers)
3. Essverhalten (Detaillierte Abfrage)
Die folgenden Fragen helfen uns, die Form Ihrer Essstörung besser zu verstehen.
Trifft während dieser Phasen Folgendes auf Sie zu?
Dies ist ein wichtiges medizinisches Ausschlusskriterium.
4. Suchtmittel & Psychische Gesundheit
Bitte antworten Sie offen. Suchterkrankungen müssen vor einer OP stabil behandelt sein.
5. Motivation & Wissen zur Operation
Ein Erfolg ist nur bei dauerhafter Lebensstiländerung möglich.
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Für ein psychotherapeutisches Gutachten im Rahmen der Adipositaschirurgie (Magenverkleinerung) gibt es klare Leitlinien (S3-Leitlinie). Ziel ist es nicht, die Operation zu verhindern, sondern sicherzustellen, dass der Patient psychisch stabil genug ist, die massiven Lebensstiländerungen postoperativ bewältigen zu können.
Hier sind die zentralen Säulen, die in einem solchen Gutachten abgedeckt sein müssen:
1. Biometrie und formale Indikation
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BMI-Grenzen: Dokumentation von Größe, Gewicht und BMI.
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BMI $\ge 40$ kg/m² ohne Begleiterkrankungen.
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BMI $\ge 35$ kg/m² mit Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes Typ 2, Schlafapnoe, Hypertonie).
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Erschöpfung konservativer Maßnahmen: Nachweis, dass das Multimodale Konzept (MMK) – bestehend aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie – über meist 6 Monate nicht zu einem dauerhaften Erfolg geführt hat.
2. Ausschluss von Kontraindikationen (Vordringlichste Aufgabe)
Bestimmte psychische Zustände machen eine OP zum aktuellen Zeitpunkt unmöglich, da sie lebensbedrohlich sein könnten oder den OP-Erfolg zunichtemachen:
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Instabile Psychopathologie: Akute schwere Depressionen, floride Psychosen oder instabile Persönlichkeitsstörungen.
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Aktive Substanzabhängigkeit: Akuter Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten.
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Unbehandelte Bulimia nervosa: Da das postoperative Erbrechen zu schweren körperlichen Schäden (z. B. Magen-Darm-Durchbruch oder schweren Elektrolytstörungen) führen kann.
3. Diagnostik des Essverhaltens
Es muss unterschieden werden, ob die Adipositas Folge eines ungünstigen Lebensstils oder einer psychischen Störung ist:
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Binge-Eating-Störung (BES): Häufigkeit und Schwere von Essanfällen mit Kontrollverlust. Eine BES ist keine generelle Kontraindikation, muss aber therapeutisch begleitet werden.
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Night-Eating-Syndrom / Grazing: Dokumentation von nächtlichem Essen oder ständigem „Grasen“ (Dauernaschen), da dies nach der OP das Risiko für eine Gewichtswiederzunahme erhöht.
4. Evaluation der Adhärenz und Motivation
Die Operation ist lediglich ein „Werkzeug“. Der Patient muss zeigen, dass er bereit ist, die Regeln des Werkzeugs zu akzeptieren:
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Wissen über die OP: Versteht der Patient, dass der Magen anatomisch verkleinert wird? Weiß er um die Risiken (Dumping-Syndrom, Malabsorption)?
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Supplementierung: Die lebenslange Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen muss vom Patienten akzeptiert werden.
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Nachsorgebereitschaft: Motivation zur Teilnahme an lebenslangen Kontrolluntersuchungen.
5. Biografie und psychosoziale Ressourcen
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Gewichtshistorie: Wann begann die Gewichtszunahme? Gab es traumatische Ereignisse (z. B. Missbrauch, Verluste), die das Essen als Bewältigungsmechanismus etabliert haben?
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Soziales Umfeld: Gibt es ein stabiles Netz, das den Patienten nach der OP unterstützt, oder lebt er in einem Umfeld, das ungesundes Essverhalten fördert?
6. Therapeutische Epikrise (Das Kernstück)
Hier fasst der Gutachter zusammen:
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Prognose: Wie wahrscheinlich ist ein Erfolg?
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Therapiebedürftigkeit: Warum ist aktuell keine primäre Psychotherapie statt der OP nötig? (Die sogenannte „Nichtnotwendigkeit“ muss begründet werden, falls keine akute Störung vorliegt).
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Empfehlung: Befürwortung, Ablehnung oder Befürwortung unter Auflagen (z. B. begleitende Verhaltenstherapie postoperativ).
Das Gutachten muss verdeutlichen, dass der Patient eine realistische Erwartungshaltung hat. Die OP korrigiert den Körper, aber nicht die Psyche. Wenn Essen bisher die einzige Strategie zur Stressbewältigung war, muss im Gutachten stehen, wie der Patient diese Strategie künftig ersetzen will.
