Motive
In der MPU wird gefragt, welches Motiv oder welche Ursache Ihrem Verhalten zugrunde liegt. Gemeint sind de Gründe dafür, warum Sie sich früher „falsch“ verhalten haben und es so zum Delikt oder den Delikten kam.
Also:
– Warum haben Sie generell zu viel Alkohol getrunken?
– Warum haben Sie immer wieder gegen Verkehrsregeln verstoßen?
– Warum haben Sie überhaupt Drogen genommen?
Beispiele für Fragen nach den Motiven in der MPU:
- Warum haben Sie überhaupt Alkohol konsumiert?
- Welche persönlichen Hintergründe gab es für den Konsum?
- Welchen Zweck hat Alkohol erfüllt?
- Was war unter Alkoholeinfluss anders?
- Welche Auslöser haben Sie zum Konsum veranlasst?
- Was hat Ihnen am Alkoholkonsum besonders gut gefallen?
- Aus welchen Gründen haben Sie Drogen genommen?
- Was war Ihr Konsummotiv?
- Welche Funktion hatten die Drogen für Sie (Wobei haben Sie Ihnen geholfen?)?
- Wie erklären Sie sich Ihren Konsum?
- Was ist die Ursache dafür, dass sich der Konsum so entwickelt hat?
- Welche Funktion hatte die Droge für Sie?
- Wie erklären Sie sich Ihre Delikte/ die Häufung Ihrer Delikte?
- Warum haben Sie wiederholt gegen Regeln verstoßen?
- Wie kam es zur Häufung der Delikte?
- Was waren die versteckten Gründe für die Delikte?
- Was gab es für innere Motive
Mögliche Motive sind:
- Zum seelischen Ausgleich, Stressabbau
- Abbau von Hemmungen
- Mittrinken aus Gruppenzwang, um sich nicht auszugrenzen
- Verdrängungstrinken oder Bewältigungstrinken bei Frust, Problemen und Krisen (z.B. Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, finanzielle Schwierigkeiten, keine Zukunftsperspektive)
- Betäubungstrinken bei körperlichen und seelischen Schmerzen (z.B. schwere Einschlafstörungen, Kopfschmerzen, Trennungsschmerz, Liebeskummer)
- Suchttrinken zur Kompensation der Folgen des Trinkens (z.B. körperliche und seelische Entzugserscheinungen, Depressionen, Angstzustände)
- Beweisen von falscher Stärke
- Sorgen und Zukunftsängste
- Abschalten/Vergessen vom Alltag
- Durch Risikoverhalten einen Kick erleben
- Sich Regeln, die man als einengend erlebt, widersetzen oder eigene Regeln machen und Vorgaben nicht ernst nehmen
- Herauslassen angestauter Aggressionen
Darstellen des Motivs:
Die Motive sollen logisch erklären, warum Sie eine „falsche“ Gewohnheit oder ein „schädliches“ Verhalten entwickelt haben und warum Sie nicht anders gehandelt haben. Am besten erwähnt man auch das Gefühl oder die „Befindlichkeit“, die man damals hatte. Wird man beispielsweise gefragt, warum man immer wieder zu schnell gefahren ist, dann reichen „Stress“ oder „Termindruck in der Arbeit“ nicht aus, weil Stress hat ja jeder mal, das erklärt noch keine häufigen Verkehrsdelikte.
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Ich musste viel Arbeiten und war selten zu Hause, daher habe ich immer mehr Alkohol getrunken.
→ Das reicht nicht, weil Alkohol trinken keine logische Konsequenz von viel Arbeit ist, es fehlt noch der Zusammenhang. |
Ich habe aus Frust getrunken. Durch meinen Beruf war ich selten zu Hause und habe viel gearbeitet. Nur am Wochenende war ich zu Hause, was meine Frau immer wieder kritisiert hat und mich auch selbst traurig gemacht hat. Ich habe gedacht, dass ich keine andere Stelle finde und war daher auf den Job angewiesen. Das hat mich frustriert und durch den Alkohol habe ich weniger über alles nachgedacht. |
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Mein damaliger Partner hat auch sehr viel getrunken und daher habe ich mitgetrunken.
→ Hier fehlt auch der Zusammenhang, denn man MUSS ja nicht mittrinken, man kann sich auch anders verhalten und sollte erklären, warum man sich nicht anders verhalten hat. |
Ich kam durch meinen damaligen Partner zum Alkohol. Mein Partner war selbstständig und in einer Clique von anderen unterwegs, die allesamt viel getrunken haben und beruflich sehr erfolgreich waren. Bei vielen Anlässen haben sie Sekt getrunken, mein damaliger Partner ebenso. In der Clique habe ich mich gut und wichtig gefühlt, ich wollte mithalten und habe auch mitgetrunken. Nach ein paar Gläsern habe ich mich in der Runde auch selbstsicherer gefühlt. Nach und nach habe ich mehr Alkohol vertragen. Ich habe nach außen hin gut wirken wollen, als Freundin eines Geschäftsmannes und Teil dieser Gruppe sein wollen. Mit fehlte damals das Selbstbewusstsein, nicht wie die anderen viel zu trinken. |
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Nach meiner Scheidung habe ich Cannabis konsumiert, um alles zu bewältigen
→ hier fehlt die Beschreibung, warum ausgerechnet Cannabis und es sollte etwas mehr umschrieben werden |
Ich habe mich damals überfordert gefühlt und durch das Kiffen wurde ich scheinbar entspannter. Nach meiner Scheidung musste ich mich wieder um alles alleine kümmern. Die neue Wohnung, dann abends dort alleine sitzen und die Sorge, dass ich nun alleine bin und alleine bleiben muss. Dadurch konnte ich oft auch nur schlecht schlafen. Ich hatte damals einen Freund, der auch gekifft hat und der mir vorgeschlagen hat, es zu probieren. Durch das Kiffen konnte ich besser schlafen und die Gedanken waren weg, ich fühlte mich entspannter. |
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Ich wollte abnehmen und eine Freundin gab mir Crystal. Sie sagte, dass ich dadurch die überflüssigen Pfunde loswerden kann.
→ Auch noch etwas mehr erklären, etwa warum man so eine harte Droge nimmt, nur um abzunehmen. Insbesondere sollte man hier schildern, wie die Wirkung der Droge war und was einem das brachte, zu konsumieren. |
Ich war damals sehr unzufrieden mit mir und dachte, mir Crystal wird es besser. In meiner Beziehung gab es viel Streit und ich hatte wenig Selbstwertgefühl. Mit meinem Körper war ich auch unzufrieden und dachte, mein Leben wird besser, wenn ich abnehme. Eine Freundin von mir war sehr schlank und erzählte mir, dass sie es schafft, so schlank zu sein, weil sie Crystal nimmt. Ich wollte das auch und sie gab mir etwas ab. Ich habe gemerkt, dass ich vom Crystal wirklich kaum Hunger hatte und viel geschafft habe. Ich war nicht müde, konnte die Nacht durchmachen und habe abgenommen. Dann habe ich weiter konsumiert, um das geringe Gewicht zu halten. Mit den ganzen schädlichen Wirkungen von Crystal hatte ich mich damals nicht befasst, sondern dachte, dass meine Freundin ja auch keine Nebenwirkungen hat. |
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Ich hatte viele Termine in der Arbeit und viel Druck und auch privat viel zu tun, sodass ich es oft eilig hatte und zu schnell gefahren bin.
→ Erklärt noch nicht, warum man zu schnell fährt, denn wenn man zu viele Termine hat, könnte man auch Termine ausfallen lassen, Verspätungen in Kauf nehmen oder umplanen usw. Man müsste erklären, warum man auf den Termindruck mit Verstößen gegen Verkehrsregeln reagiert hat und nicht anders. |
Ich habe meine eigenen Termine und Anliegen früher für wichtiger gehalten als das Einhalten von Regeln. Ich hatte als Mitarbeiter bei einem Paketdienst viele Kundentermine, die ich der Reihe nach abarbeiten musste. Privat habe ich mich um meine pflegebedürftigen Eltern gekümmert. Das war alles etwas zu viel. Wenn ich beispielsweise um 12 eine Waschmaschine ausliefern sollte und es war 10.30 Uhr und ich merkte, dass ich es nicht pünktlich schaffe, dann habe ich versucht, Zeit durch das schnellere Fahren herauszuholen. Ich hätte auch bei den Kunden anrufen können und sagen können, dass ich später komme, aber ich hatte Angst, die beschweren sich dann bei meiner Firma und ich werde gekündigt. Nach Feierabend musste ich dann immer schnell zu meinen Eltern. Nicht zu spät zu kommen und alles irgendwie zu schaffen war mir wichtiger als das Einhalten der Verkehrsregeln. Manche Regeln habe ich auch nicht eingesehen, wie beispielsweise wenn auf der Autobahn eine 80er Zone war. Da dachte ich mir oft „das macht keinen Sinn“ und habe es dann nicht für nötig gehalten, wirklich 80 zu fahren und mich darüber hinweggesetzt. Ich dachte auch, ich kann das aufgrund meiner Erfahrungen als Transportfahrer besser einschätzen, welches Tempo wo angemessen ist. |
